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Unser Therapiekonzept: Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie

„Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an.“

(Theodor Fontane)

Um unser therapeutisches Angebot für Sie zu optimieren, bieten wir in unserer Praxis eine individualisierte Psychotherapie, die in Form von Einzel- und Gruppentherapie durchgeführt wird. 

Wir bieten grundsätzlich geschlossene Gruppen an, bei denen vom ersten bis zum letzten Termin dieselben GruppenteilnehmerInnen dabei sind. Dies ermöglicht bessere Gruppenkohäsion und Bearbeitung aufeinander aufbauender Themen und erleichtert Selbstöffnung sowie Offenheit.

Welche Vorteile bietet die Ergänzung durch Gruppentherapie?

In Gemeinschaft mit anderen zu leben charakterisiert viele Lebensformen, denn die Gruppe bietet mehr Sicherheit und hilft somit zu überleben. Bei uns Menschen wird das Bild über sich selbst, die Welt und das Leben nur in Beziehungen zu Anderen geformt. Auch das eigene Wohlbefinden hängt stark von Zugehörigkeit und Beziehungen zu Mitgliedern einer für uns wichtigen Gruppe ab. Es gehört zu den zentralen Grundbedürfnissen des Menschen sich an andere zu binden. Wir sind sogar mit Gefühlen wie Schuld und Scham ausgestattet, die in einem gesunden Maß vorhanden unsere Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe regulieren. Diese Gefühle haben grundsätzlich die Funktion prosoziales Verhalten zu Fördern sowie Bindungen zu Mitmenschen zu festigen. 

Menschen mit maladaptivem Scham- und Schulderleben (entstanden z.B. durch Situationen, in denen nahestehende Personen die eigenen Grundbedürfnisse verletzt oder mißachtet haben) haben aus Sorge um weitere potentielle Verletzungen die Tendenz, Erfahrungen zu meiden, in denen sie sich anderen Menschen ausgeliefert fühlen. Das ist nachvollziehbar, jedoch bringt die Vermeidung des Kontaktes zu anderen Menschen auch erhebliche Nachteile für den Einzelnen mit sich. Denn das Bedürfnis nach Bindung ist uns angeboren.

Um zu üben, (wieder) Teil der Gemeinschaft zu sein, kann das Gruppensetting in der Psychotherapie sehr hilfreich sein. In einer wohlwollenden, fördernden und unterstützenden Atmosphäre und unter sicheren Lernbedingungen können Aspekte geübt und gelernt werden, die dann auf Situationen außerhalb der Psychotherapie übertragen werden sollen. Außerdem kann die Gruppentherapie einen Zugang zu interpersonell herausfordernden Verhaltensweisen der Teilnehmer bieten, die in der Einzeltherapie möglicherweise nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt auftreten würden. Somit können diese Schwierigkeiten viel früher Teil der psychotherapeutischen Arbeit sein.

Zusätzliche Vorteile in der Gruppe sind Wirkfaktoren wie beispielsweise (nach Yalom, 2019; Sipos & Schweiger, 2019):

  • Gruppenkohäsion: durch die Erfahrung der Zusammenarbeit und des Zusammenhaltes in der Gruppe entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das die Erfahrung von Einsamkeit und Isolation vermeiden hilft, die Entwicklung von Hoffnung unterstützt und gegen das Gefühl von Scham wirken kann.
  • Universalität des Leidens: Menschen, die unter einer psychischen Störung leiden, erleben sich oft alleine mit ihren Problemen, isoliert von den Gesunden. Dieses Gefühl kann auch in der Einzeltherapie entstehen. In der Gruppentherapie machen Betroffene die Erfahrung, dass es andere Menschen gibt, die ähnliche innere oder äußere Erlebnisse, Symptome oder Empfindungen haben. Das hilft gegen Isolation, Schamgefühl oder sich Unverstandenfühlen.
  • Hoffnung geben: die Therapeuten können Hoffnung wecken, indem sie den Glauben an die Wirksamkeit gruppentherapeutischer Behandlung das Erzeugen einer positiven Erwartungshaltung stärken. Hoffnung wird auch geweckt durch die anderen TeilnehmerInnen. Sie befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Problembewältigung, erzeugen durch ihre Fortschritte Zuversicht. 
  • Interpersonelles Lernen: durch die Gruppe können KlientInnen ihre soziale Kompetenz in einer geschützten Umgebung trainieren. Die Gruppe bietet ein Umfeld, in dem man ohne oder mit überschaubaren Risiken Verhaltensexperimente mit Feedback durchführen kann, die den TeilnehmerInnen ermöglichen leichter zu lernen und Probleme zu bewältigen. Auch ein Lernen am Model (durch Beobachtung von anderen Teilnehmern) ist möglich.
  • Emotionsmanagement: Die Gruppe bietet eine geschützte Atmosphäre, in der Selbstöffnung (Mitteilung von Erlebnissen, Gefühlen, Gedanken) begünstigt und unterstützt wird. Das ermöglicht eine gewisse Erleichterung (Katharsis), Unterstützung und gegebenenfalls korrigierende Erfahrungen.
  • Rekonstruktion familiärer oder früherer Gruppensituationen: die Gruppentherapie bietet durch das Setting die Möglichkeit familiäre, schulische oder berufliche Situationen, die zu dysfunktionalen Rollenzuweisungen oder Verhaltensweisen geführt haben, zu aktivieren und durch bestimmte Interventionen zu korrigieren.
  • Experte in eigener Sache: Die Gruppentherapie bietet die Möglichkeit, Wissen über die eigene Erkrankung, ihre Entstehung sowie die Behandlungsmöglichkeiten zu erwerben. Außerdem lernen die Betroffenen durch Erfahrungen anderer Teilnehmer, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden. Psychoedukation in der Gruppe kann Ängste und Unsicherheiten reduzieren sowie Erlebnisse der TeilnehmerInnen normalisieren und dadurch z.B. das Selbstwertempfinden verbessern.